Gut bestückt mit unseren Jungs – 13 an der Zahl – sind wir in Wickrath eingetroffen. Für genügend Kaffee und Proviant hatten unsere tollen Eltern gesorgt. Es konnte also nichts mehr schiefgehen.
Wie erwartet, hatten sich die Gegner sehr gut auf unsere Jungs vorbereitet. So taten wir uns am Anfang etwas schwer. Die Anspannung unter den Jungs war deutlich zu spüren – aber nach und nach lockerten sie etwas auf. Mit einer starken Abwehr versuchten wir so viele Tore wie möglich zu verhindern und gleichzeitig im Angriff genügenden Abstand zum Gegner zu gewinnen.

Nach und nach merkten wir, dass die Aufstellung nicht ganz optimal war.
Die Gegner fixierten sich ganz deutlich auf Florian und die Mannschaft versuchte alles, um die Gegner von ihm abzulenken. In diesem Punkt waren wir doch deutlich im Vorteil, da die meisten Freiwürfe gut ausgeführt wurden (Von diesen gab es massenweise im „richtigen“ Moment).

Der Beckrather Mannschaft ist anzuerkennen, dass sie meistens sichere Pässe und ein sehr gutes 1 zu 1 Angriff Verhalten hatten. Auch die Schnelligkeit ihrer Außenspieler war nicht zu unterschätzen.
Also versuchten unsere Jungs die Gegner in der Abwehr zu verunsichern und im Angriff schnell durchzukommen. Als wir dann 5 Tore Vorsprung hatten, änderte sich leider die neutrale Solidarität des pädagogischen Pfeifens vom Schiedsrichter. Zwar kamen die Gegner in der ersten Halbzeit mit 2 Toren an uns heran, aber unsere Jungs ließen sich nicht aus dem Konzept bringen.
Ergo: Wie selbstverständlich hagelte es Verwarnungen und 2 Minuten in unserer Mannschaft wie Kamelle im Karneval.
In Begleitung von bekannten „freundlichen“ Zurufen der Eltern und Verantwortlichen auf Beckrather Seite, wechselten wir unsere 2-Minuten-Jungs gegenseitig aus. Ein Hoch auf die Handballregeln, die in der D Jugend noch erlauben aufzustocken.

Wir drei Trainer haben aber erfolgreich den Überblick behalten.
In der zweiten Halbzeit änderten wir die Aufstellung, um die Schwachstellen zu stopfen und im Angriff schnellere Möglichkeiten zu haben.
Die Gegner änderten ebenfalls Ihre Aufstellung, indem sie den Versuch starteten entgegen der Handballregeln der D-Jugend, auf Einzelmanndeckung bei einem unserer Spieler zu gehen.
Nach mehreren lauten und freundlichen Hinweisen meinerseits, an dem nun mittlerweile adversus solidaren Schiedsrichter, der anscheinend auch nach dem wiederholten Mal die Einzelmanndeckung nicht bemerkt hatte (ein Schiedsrichter ist auch nur ein Mensch), wurde dem Gegner die Verwarnung ausgesprochen. Na also…. geht doch.
In dieser Spielphase war das Ein-Team-Verhalten unserer Jungs sehr schön anzusehen.
Trotz der angespannten Situation und den bekannten erschwerten Bedingungen als Gastverein in Beckrath, hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel. So wurde dieses auch mit Toren von mehreren Torschützen unseres Teams belohnt. Beeindruckend war, wie jeder von unseren Jungs gekämpft hat. In der Abwehr haben ausnahmslos ALLE alles gegeben, um dem Gegner die Torchancen zu nehmen.

Trotz des gut herausgearbeiteten Abstandes wussten wir, das Ding haben wir noch nicht im Kasten. Dank einer erneut sinnlosen 2- Minuten Strafe auf unserer Seite, bekam der Gegner noch einmal die Chance aufzuholen.
Diese nette Geste quittierten wir dann mit weiteren Toren.
Es blieb spannend bis zum Schluss. Mit einem Stand von 22:20 im Vorsprung zählten wir die letzten 10 Sekunden runter bis….. wir dann für 1 Sekunde den Atem anhielten.
In diesem Spiel hat Florian vermutlich das Tor der Saison, (auf jeden Fall in unserer D-Jugend) geworfen. In der letzten Sekunde vor Spielschluss warf er den Ball noch weit vor der Mittellinie – in unserem Abwehrraum stehend – und dankte mit einem ca. 20m (gefühlte 30m) weit geworfenen letzten Tor für das faire und absolut retrosoziale Verhalten der Gegner.

Freundlich verabschiedeten wir uns mit einem nunmehr 23:20 Sieg nach Hause.
Nach diesem Spiel wird mir persönlich die Bedeutung von fairen und sozialen Verhalten immer deutlicher. Als Trainer ist es nicht nur unsere Aufgabe sondern unsere Pflicht, den Kindern beizubringen, dass einem Gegner im Spiel mit Respekt und Würde zu begegnen ist – (und das unparteiische Schiedsrichter auch nur Menschen sind). Im Handballspiel passieren nun mal Dinge, wie ein falscher Griff, zu sehr gezerrt oder sonstige Fehlgriffe. Hin – und wieder stürzt auch ein Spieler deswegen – und eine Entschuldigung hat noch niemanden das Rückgrat gebrochen. Bemerkenswert finde ich auch, wenn unsere Jungs aus dem Trainerteam der gegnerischen Mannschaft mit verbalen Sprüchen und niveaulosen Bemerkungen während und nach dem Spiel abgestraft werden und gleichzeitig darauf hingewiesen wird, dass es nur ein D-Jugend Handballspiel ist…
In dem Sinne einen Gruß an unsere Herrenmannschaft (viel Spaß beim nächsten Spiel gegen Beckrath)
Wie aus den Reihen des Beckrather Teams zu hören war, ist unsere Jungs D-Jugend Mannschaft genauso Asozial, wie man es auch in der Vergangenheit von den Herren des ASV Rurtal gewohnt war.

Sportliche Grüße
Tuna Yildiz -Schidlack