Von Fabian Eickels und Lukas vor dem Esche

Ein Duell auf exakter Augenhöhe, zumindest wenn man sich die letzten Ergebnisse anschaut, gab es gestern in der Hölle-West. So hatten wir den Rheydter SV zu Gast, gegen den wir die letzten drei Spiele allesamt Unentschieden gespielt hatten. Für uns bot sich die Chance, den Abstand auf die Abstiegsränge deutlich zu vergrößern um eventuelle Abstiegssorgen erst einmal zu begraben. Kadertechnisch war alles da, was Rang und Namen hat, so dass Norbert Borgmann sogar Spieler aussortieren musste.

Nach dem bitternötigen Anschwitzen in unserer leider eiskalten Halle erwischten wir trotz angefressenem Winterspeck den besseren Start. Unsere Abwehr funktionierte wie immer zuverlässig und stellte Rheydt von Anfang an vor große Probleme. Mit 5:2 stand von Beginn an alles auf Sieg und die Brust wurde immer breiter. Deshalb ließen wir uns auch nicht durch einige Unkonzentriertheiten aus dem Tritt bringen. Auf dem Weg zum zwischenzeitlichen 10:5 waren die einfach herausgespielten Tore von Stanislav Meschkorudni der entscheidende Trumpf. Gerade im Zusammenspiel mit unserem Torwart Henrik Bürger entwickelte er ein höllisches Tempo und war damit am Ende mit neun Toren auch Topscorer. Letztendlich konnten wir am Ende der ersten Halbzeit ein verdientes 15:11 über die Zeit bringen. Das Ziel, in der letzten Minute kein Gegentor mehr zu kassieren, setzten wir tatsächlich mal um. Der Freiwurf nach der Schlusssirene brachte dann aber keinen Erfolg mehr.

stani

Zum Pausenbier zeigte sich  Norbert Borgmann äußerst zufrieden. Zwar hätte der Abstand auch höher ausfallen können, doch auch er war sich der Tatsache bewusst, dass Henrik Bürger im Tor einen Sahnetag erwischte und ein knapperes Ergebnis gegen einen guten Gegner verhinderte. Entscheidend war für ihn, dass die Kommunikation innerhalb der Mannschaft stimmte. So verteidigten wir als Team und nicht als Solisten. Auch der Angriff zeigte gute Ansätze und zeigte sich eigentlich recht stabil. Zu guter Letzt zog Norbert Borgmann noch eine aktuelle kultursportliche Referenz heran, die manche von uns wohl intellektuell überforderte. So erinnerte er sich mit Sorge an das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn. Nach einer guten ersten Halbzeit ging bei den Deutschen zu Beginn der zweiten Hälfte fast gar nichts mehr. Manch einer verstand das wohl als Herausforderung.

Rheydt war zum Auftakt von Halbzeit Zwei viel präsenter und fand kurzzeitig den Dosenöffner für unsere Verteidigung. Beim 16:14 witterte Rheydt mal mindestens Morgenluft. Wie Hanka Rackwitz im Dschungel reagierten wir auf den drohenden Einbruch viel zu panisch und versuchten immer schneller zu spielen anstatt das Tempo herauszunehmen. Fehlpässe, Fehlwürfe resultierten im vermeintlichen „Game-Changer“, der roten Karte gegen unseren Kreisläufer Tobias Kremer. Über 19:16 glich Rheydt zehn Minuten vor Schluss zum 21:21 aus. Rheydt meldete sich lautstark zurück und drängte nun auf die Führung. Doch Karl Tetz auf der Mitte hatte da ganz schön was gegen. So zimmerte er zwei, wie wir früher sagten, Lustwürfe ins untere Eck und sorgte ganz alleine für die erneute 23:21-Führung. Jannik Schmitt hielt es vor Jubel kaum mehr auf der Bank, hatte er doch kurz zuvor orakelt: „Jetzt sollten wir mal wieder einen machen“.

jannik

Die Schlussphase war dann einfach nur reine Dramatik. Beide Teams agierten zittrig und warfen viel zu viele Bälle weg. Der Ball wechselte so oft die Mannschaft, dass so mancher Fan gedanklich schon beim Tennis und den bald startenden Australian Open hätte sein können. Rheydt schien auch den längeren Atem zu haben und glich zum 23:23 aus, scheiterte dann jedoch wiederholt an Henrik Bürger. Wir, hingegen, gingen durch Yves Nolte wieder in Führung und führten Sekunden vor Schluss mit 25:24. Rheydt hatte dann den Ausgleich auf der Hand, konnte den letzten Ball jedoch nicht verwerten. Im Endeffekt kann man von einem verdienten aber durchaus glücklichen Sieg sprechen, wenn man bedenkt, dass Rheydt im gesamten Spiel nie geführt hat. 14 Punkte und Platz 4 sprechen zum aktuellen Zeitpunkt eine eindeutige Sprache. Sollte zum Hinrundenabschluss ein weiterer Sieg folgen, würden wir eine starke Hinrunde krönen.

 

„Die Jungs machen mich fertig!“ (Norbert Borgmann)

 

Der nun folgende Abschnitt gilt einem, der gestern alle Gefühle durchlebt hat, die man als Sportler so haben kann. Tobias Kremer zeigte gestern eine bärenstarke Leistung. Er war kaum zu halten und warf einige schöne Tore. Unter anderem erzielte er Andis Goldstück mit seinem herrlichen Dreher aus der Bedrängnis heraus. Jedoch beendete er seine starke Leistung abrupt mit einer unnötigen roten Karte, die das Spiel fast zum Kippen gebracht hätte. Ein Bärendienst also, um in der Fauna zu bleiben. Viel wichtiger waren aber seine sechs Tore zuvor, mit denen er maßgeblich zum Sieg beitrug.

Die Kategorie des Man of the Match hatte dieses Mal zwei Sieger. Zum einen war Henrik Bürger in der Schlussphase der Retter der zwei Punkte. Mit einer Quote von 58% gehaltener Bälle war er trotz seiner Tempogegenstoßpässe der überragende Akteur auf dem Platz. Aber auch Mike Borgmann zeigte in der Defensive eine klasse Leistung. Er half aus, wo es nur ging und ergatterte einige Bälle. Als Rheydter hätte man lauthals „Dieb!“ gerufen.

Nächsten Samstag geht es um 17:45 Uhr zum Auswärtsspiel gegen Treudeutsch Lank. Hier erwartet uns sicherlich wieder ein umkämpftes Spiel, in dem wir aber unbedingt als Sieger hervorgehen wollen.

Zum Schluss noch eine persönliche Nachricht der Autoren an Yves Nolte: „Noch ist der Verbleib in der Liga nicht gesichert! Nur mal so am Rande.“